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26.05.2012 - 26.08.2012

Die Sixtinische Madonna. Raffaels Kultbild wird 500

Es ist selten, dass ein Kunstmuseum einen breit gefächerten kulturhistorischen Blick auf eins seiner zentralen Werke entfaltet, so wie es jetzt die Staatlichen Kunstsammlungen mit Raffaels Sixtinischer Madonna tun. Wie prominent, nachgerade programmatisch dabei nicht zuletzt auch das Bewusstsein fotografisch geprägten Sehens und Denkens Eingang in die Konzeption gefunden hat, erschließt sich am jahrzehntelang gewohnten Präsentationsort des Gemäldes im ersten Stockwerk der Gemäldegalerie Alte Meister: Die Wand, von der die Sixtina abgenommen und ins Parterre umgesetzt worden ist, nimmt nun vollflächig ein Gobelin ein. Die Künstlerin Katharina Gaenssler hatte den Blick durch die Raumflucht auf das Gemälde an deren Abschluss in hunderten von Detailaufnahmen reproduziert, diese dann ohne Retusche der Kanten und Farbabgleich montiert und damit eine grob gerasterte, mosaikartige Vorlage für die Webarbeit geschaffen. Hiermit entsteht nicht nur eine Spannung zwischen Detail und Gesamteindruck, Raum und Fläche, Perspektivillusion und deren Aufsplitterung, zwischen Malerei und Fotografie, sondern auch eine hübsche hausinterne Referenz. Denn gegenwärtig hängt die Sixtina im sog. Gobelinsaal, der nach den vor nicht allzu langer Zeit von dort entfernten großen Tapisserien nach Entwürfen Raffaels so heißt.

In der Ausstellung selbst allerdings wird die Fotografie dann nur in eher dienender Funktion gezeigt, etwa zur Dokumentation früherer Standorte des Bildes, und ist in wenigen Kunstreproduktionen präsent. Sie markiert damit eine bedeutende Forschungslücke in der Kunst- und Wissenschaftsgeschichte – die umfassende Untersuchung der fotografischen Kunstreproduktion in Dresden, so wie sie etwa Dorothea Peters für Berlin vorgelegt hat. Denn abgesehen von der Frage nach der Rolle der Fotografie für die Entwicklung des Sehens im 19. und 20. Jahrhundert, des modernen Kunstmarkts wie der Disziplin Kunstwissenschaft, des Bildungstourismus wie der merkwürdigsten Motivwanderungen, ist es durchaus nicht endgültig ausgemacht, ob nun die Aura des unikalen Kunstwerks in seiner Reproduktion verschwindet, oder ob sie nicht geradezu erzeugt wird durch die dialektische Differenz zu ihren (in diesem Fall überbordenden) technischen Transformationen.

Aus der wachsenden Aufmerksamkeit für Fotografie resultieren nicht allein einige kleinere Beiträge im opulenten Begleitbuch, so etwa zum Tableau Hermann Krones mit der Daguerreotypie der Sixtina von 1850, zu einer Reproduktion der Photographischen Gesellschaft von 1873 oder drei Essays zur Tapisserie, sondern es sind auch drei spezifische Veröffentlichungen zum Werk Katharina Gaensslers in Arbeit: Im Rahmen des Krupp-Stipendiums Museumskuratoren für Fotografie am Kupferstich-Kabinett hat Christin Müller einen Aufsatz für die Dresdener Kunstblätter geschrieben, der in deren drittem Heft 2012 erscheinen wird, und ihr Interview mit der Künstlerin ist für das dritte Heft der Zeitschrift Rundbrief Fotografie in diesem Jahr angekündigt. Außerdem ist ein Buch in Vorbereitung, das alle 224 Einzelbilder des großen Künstlerbuches aus der Ausstellung in einem verkleinerten Format von 19 x 25,5 cm zeigen und in einem Galeriegespräch zwischen Bernhard Maaz und Michael Hering die künstlerische Intervention Katharina Gaensslers in der Gemäldegalerie beschreiben wird.
(Text: Red/WH)

Katalog 
Andreas Henning (Hg.): Die Sixtinische Madonna. Raffaels Kultbild wird 500.
München/London/New York : Prestel, 2012,
24 x 30 cm, 380 S., 341 farbige Abbildungen, 48 s/w Abbildungen,
ISBN 978-3-7913-5197-1,
In der Ausstellung EUR 29,95, im Buchhandel EUR 39,95

Künstlerbuch 
Katharina Gaenssler: Sixtina MMXII.
Neu Isenburg : Edition Minerva, 2012,
ISBN: 978-3-943964-00-4

Gobelin: Katharina Gaenssler, Fotografie: Florian Holzherr

Veranstalter

Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Gemäldegalerie Alte Meister

Besucheranschrift 
Semperbau am Zwinger, 01067 Dresden
Stadtplan 
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Öffnungszeiten 
täglich 10 bis 18 Uhr, Do und Sa bis 21 Uhr, am 14.07. nur bis 18 Uhr
Internetadresse 
www.skd.museum