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Nachruf
Bernward Thorsch (1920–2015)

In den Amateurfilmen seines Vaters aus den 1930er-Jahren ist er als schelmisch lächelnder Dresdner Junge immer noch gegenwärtig: Aus der bürgerlichen Villa in der Müller-Berset-Straße führte ihn sein Weg in die Vereinigten Staaten von Amerika, in die Neue Welt, in der er einen Platz und auch sein Glück finden sollte. Am 11. Oktober 2015 ist im kalifornischen Santa Barbara mit 95 Jahren Bernward Thorsch verstorben. Erst spät in seinem Leben hatte er sich entschlossen, seinen Geburtsort Dresden nochmals zu besuchen. Mehr als 72 Jahre waren seit der Emigration vergangen, als er im Sommer 2010 zusammen mit seiner Familie die Heimatstadt wiedersah. Im September 2011 nahm er als Ehrengast an der Eröffnung der Ausstellung „The Picture You Will Get! Kamera-Werkstätten Guthe & Thorsch Dresden“ in den Technischen Sammlungen Dresden teil. Diese war dem 1919 von Paul Guthe und seinem Vater Benno Bernhard Thorsch (1898–2003) gegründeten Unternehmen gewidmet und damit einem wichtigen Kapitel in der Geschichte der Dresdner Fotoindustrie.
Obwohl es etliche Jahrzehnte gebraucht hatte, bis sich Bernward Thorsch vor Ort den Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend sowie an die Vertreibung als Nachkomme einer jüdischen Familie stellen mochte, waren die in Dresden erhaltenen Prägungen Zeit seines Lebens bestimmend geblieben. Vor der Emigration im Februar 1938 hatte Thorsch eine Lehre als Mechaniker an den Technischen Lehranstalten der Stadt Dresden absolviert und, basierend auch auf den in der väterlichen Firma erworbenen Kenntnissen, in den Vereinigten Staaten eine berufliche Existenz als Fachmann für fotografische Technik aufbauen können. Nach einer Zwischenstation in Detroit und dem Dienst in der US Army gründete er 1944 in Los Angeles mit seinem Vater ein eigenes Unternehmen, den „Studio City Camera Exchange“. Dieses Fachgeschäft, das alle bedeutenden Marken des Foto- und Kinobereiches führte, war in der Nähe der großen Firmen der Filmbranche in North Hollywood angesiedelt und gewann rasch an Erfolg und Reputation. Berühmt wurde es auch als Heimstätte von Kameraenthusiasten, deren Inhaber ein leidenschaftlicher Liebhaber der Fotografie in allen ihren Aspekten war und seinen Beruf als wahre Familienangelegenheit betrachtete. Als „Bernie“ Thorsch nach mehr als 60 Jahren, 2006, sein Geschäft schließen musste, galt es, ebenso wie sein Besitzer, bereits als Legende.
Die letzten Jahre seines langen Lebens verbrachte Bernward Thorsch in Santa Barbara in steter Gemeinschaft mit seiner Familie, unterstützt besonders durch seine Tochter Jennifer Thorsch, die in seinem Namen auch die Kontakte nach Dresden aufrechterhielt. Trotz einer ernstlichen Sehbehinderung blieb Bernward Thorsch auch im hohen Alter als Fotograf und als Segelflieger aktiv. Neben den Wunderwerken der Technik galt sein Interesse immer wieder und immer noch dem mit ihnen zu erzielenden Wechsel der Ansichten, dem Sehen und Erkunden selbst.

Andreas Krase

© TSD / Gerd Bosse, Bernward Thorsch, Dresden 2011
(Ausstellungseröffnung in den TSD, vor einem Jugendfoto von ca. 1936)