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Rede zur Eröffnung der Ausstellung Evelyn Richter. Fotografien

Dr. Jeannette Stoschek (Evelyn-Richter-Archiv der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Museum der bildenden Künste Leipzig), Leonhardi-Museum Dresden, 29. Januar 2010

Am 12. November 2009 trat das Evelyn-Richter-Archiv der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Museum der bildenden Künste Leipzig erstmalig an die Öffentlichkeit. Ein Vertrag zwischen der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Stadt Leipzig konnte unterzeichnet werden. Ein Konvolut von Fotografien – genau 734 – wurde uns, dem Museum, im Beisein der Künstlerin öffentlich anvertraut. Ein Akt von wenigen Sekunden schuf neue Tatsachen für die Künstlerin, das Museum, die Stadt und auch für die Ostdeutsche Sparkassenstiftung. Pressefotografien und -berichte verbreiteten kurzfristig das Ereignis und nun stehe ich, schon wenige Wochen später, heute Abend hier im Leonhardi-Museum und kann eine noch sehr junge Einrichtung vorstellen, die erstmals als Kooperationspartnerin und Leihgeberin auftreten kann.

Das sind die nüchternen Zahlen, doch was ging voran? Am 14. September 2001 traf ich Frau Richter zum ersten Mal im Museum. Ich war gerade gut drei Monate in Leipzig, in der Probezeit und lernte damals viele mir wenig vertraute Künstlerinnen und Künstler kennen. Doch – soviel sei gesagt – die Begegnung mit Frau Richter war einzigartig und keiner von uns beiden hätte sich damals auch nur im Entferntesten vorstellen können, dass wir beide zusammen 2005 eine große Ausstellung erarbeiten würden, noch dass wir jemals ein kleines Liegewagenabteil für eine Reise nach Moskau teilen oder gar 2009 in Leipzig ein Archiv, in dem das Hauptwerk der Fotografin ver- und bewahrt sowie gepflegt werden soll, gründen würden. Die vielen Jahre haben – das kann ich heute sagen – gegenseitigen Respekt und Vertrauen geschaffen, so dass eine langfristige, sehr bereichernde, wenn auch oftmals kurvenreiche Zusammenarbeit möglich war und ist, eine Zeit, die ich nicht missen möchte und für die ich mich hiermit herzlich bei Evelyn Richter bedanken möchte. An dieser Stelle sei auch ganz besonders Patricia Werner gedankt, die mit ihrer fast unerschütterlichen Zuversicht, Geduld, Energie und Menschlichkeit – nicht nur als offizielle Vertreterin der Ostdeutschen Sparkassenstiftung – mich und uns beide immer wieder unterstützt hat, so dass so manche Hürde leichter zu nehmen, einige Gefechte geschlichtet und unterschiedliche Klippen elegant zu umschiffen waren.

Mit Unterzeichnung des Vertrags sind neue Aufgaben, Verpflichtungen, Verantwortlichkeiten und Ziele zu formulieren und umzusetzen. Bewahren, pflegen und erforschen heißt es dazu ganz lapidar auf unserer Website. Dahinter verbirgt sich eine genaue Bestandsaufnahme, die Erfassung der Fotografien in einer Datenbank, die Überprüfung von Titeln und Datierungen, so dass wir beispielsweise trotz widersprüchlicher Datierungen der selben Motive zu einer einheitlichen und verbindlichen Aussage gelangen können. Oder dass Menschen auf uns zukommen, da sie beispielsweise ihren Sohn in den Bildern erkannt haben und wichtige Details liefern können. Oder dass wir fehlerhafte Biografien der Künstlerin, die im Umlauf sind, berichtigen oder ergänzen und den oft gedruckten Lebenslauf weiter kritisch hinterfragen. Formate, Bildgrößen und Ausschnitte sind gemeinsam mit der Künstlerin festzulegen, Bildfolgen zu diskutieren und schriftlich niederzulegen, so dass die Bildvorstellungen und Ideen von Evelyn Richter vermittelbar bleiben.

Auch wenn wir schon lange zusammen arbeiten und der 2005 erschienene, gemeinsam erstellte Katalog viele Ergebnisse bündelt, ist die Arbeit des Archivs für mich ein neuer Anfang, da die Perspektive eine andere geworden ist. Wir wollen nun nicht mehr wie bisher für ein temporär begrenztes Ausstellungsprojekt eine inspirierende Präsentation unterschiedlicher Fotografien erarbeiten (was überhaupt nicht schlecht ist), sondern nachhaltiger vorgehen und die beispielsweise während einer Ausstellung erlangten Erfahrungen und Erkenntnisse auch nach Abschluss des Projektes festhalten, weiter vermitteln und verbreiten. Die Kenntnisse über die Bilder Evelyn Richters wollen wir vertiefen und mit Informationen, unserem Wissen verknüpfen. Dadurch können die Fotografien weiterhin lebendig, spannend und auch für Generationen, die die in sie eingegangenen historischen und sozialen Erfahrungen nicht gemacht haben, neu erfahrbar und verständlich machen. Darüber hinaus soll Evelyn Richter einen festen Platz in der deutschen Fotografie nach 1945, auch außerhalb der regionalen und nationalen Grenzen, finden. Dazu sind viele kleine Etappen notwendig, wie beispielsweise heute Abend.

Ich freue mich sehr, dass das Archiv gemeinsam mit der Künstlerin und der Ostdeutschen Sparkassenstiftung hier anwesend ist und wir gemeinsam mit dem Leonhardi-Museum unsere ersten gemeinsamen Schritte machen konnten und in den letzten Wochen mit neuen Fragen und Herausforderungen konfrontiert wurden, wir dadurch kontinuierlich unseren Weg verfolgen und unser Anliegen genauer definieren können, um langfristig die Fotografien von Evelyn Richter im allgemeinen Bildgedächtnis fest zu verankern und zu erreichen, dass das Evelyn-Richter-Archiv Teil des kulturellen Gedächtnisses wird.
© Jeannette Stoschek

Autorin

Dr. Jeannette Stoschek
Evelyn-Richter-Archiv der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Museum der bildenden Künste Leipzig

Telefonnummer 
+49-341-21699940
Faxnummer 
+49-341-21699999
Internetadresse 
www.evelyn-richter-archiv.de