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VEB Pentacon Dresden

Rede der Herausgeberin anläßlich der Buchpräsentation "VEB Pentacon Dresden. Geschichte der Dresdner Kamera- und Kinoindustrie nach 1945"

Wolfgang Hesse, Stadtmuseum Dresden, 30. Oktober 2009

Meine Damen und Herren,
ein Buch wie das, welches wir heute der Öffentlichkeit übergeben können, ist janusgesichtig. Es markiert Ende und Neubeginn zugleich. Ein Ende, weil damit durch die Rückschau derjenigen, die dabei gewesen sind, ein Denkmal geschaffen wird für sie selbst und für eine abgeschlossene Epoche. Ein Neubeginn, weil ab jetzt Geschichte beginnt, weil Generationenwissen nicht mehr nur eine private Erinnerung bleibt oder in Archiven liegt, sondern weil jetzt öffentlich darüber verhandelt werden kann, was war und was bleibt.
Dieser Prozeß der Historisierung kann sehr gewalttätig beginnen, so wie es etwa die Abwicklung des VEB Pentacon 1990 gewesen ist. Und er war zugleich einer der Musealisierung: Die Gründung der Technischen Sammlungen, die aus dem Technischen Museum und der Pentacon-Sammlung gebildet wurden. Herr Jehmlich hat diesen Übergang maßgeblich mitgestaltet.
Etwa zeitgleich trafen sich einige Dresdner Fotohistoriker, Naturwissenschaftler, Sammler, Freunde der Fotografie, um dazu beizutragen, daß das große Erbe der Dresdner Fotoindustrie und Fotografie bewahrt werden sollte in einem Museum der Fotografie. Das steht so in der Satzung des Vereins, der nun das Buch von Gerhard Jehmlich herausgibt und für den ich hier sprechen darf: Die Neue Photographische Gesellschaft in Sachsen, seit 1991 als gemeinnützig erkannt. Wir haben also ein doppeltes Interesse: das Wissen und die Dinge zu sichern, und daß sie in angemessener Weise der Öffentlichkeit vorgestellt werden als Teil der Gegenwart und der Zukunft. Daß also die Kameras und anderen technischen Geräte der Dresdner Kamera- und Kinoindustrie als Leistung in ihrer Zeit verstanden und ins Verhältnis gesetzt werden mit den Bildbedürfnissen ihrer Zeit wie der unsrigen. Auch, daß sie ins Verhältnis gesetzt werden zu anderen Sinnes-Maschinen: des Schreibens, des Sehens, des Hörens in einem Medienmuseum, das der Stadt gut anstehen würde.
Dem sind wir mit dem vorliegenden Buch ein gutes Stück entgegengekommen, und das ist vor allem dem Autor, Gerhard Jehmlich, zu danken. Er hat es geschafft, ein festes Netz zu knüpfen, um das verstreute Wissen zu sammeln, das in Gedächtnis-Institutionen wie den Technischen Sammlungen, dem Stadtarchiv, dem Hauptstaatsarchiv in Dresden oder dem Zeiss-Archiv in Jena liegt. Mindestens ebenso wichtig war das Wissen, das an Personen gebunden ist und nur in deren Erinnerung greifbar ist. Im Dank des Buchs sind etwa 50 Namen von Personen verzeichnet, die als ehemalige Pentaconer, als engagierte Mitarbeiter der Archive und Sammlungen, als Kenner der Materie dazu beigetragen haben. Schon dies über Jahre zu verfolgen und zu systematisieren, ist eine besondere Leistung, die Respekt verlangt. Und wofür ich zugleich allen danken möchte, die hieran mehr oder weniger intensiv beteiligt waren und von denen hoffentlich etliche es einrichten konnten, sich heute hier mit uns allen zu versammeln.
Ein Buch wie das über den VEB Pentacon ist ebenso wie die Geschichte, die es darstellt, eben keine von Individuen allein, sondern eine gemeinsame Anstrengung. Das gilt auch für die Finanzierung. Schon sehr frühzeitig hatte sich die Stadt Dresden zu dem Projekt bekannt, und das Amt für Kultur und Denkmalschutz, die Museen der Stadt Dresden, die Technischen Sammlungen brachten fast die Hälfte der erheblichen Summe auf, die für die Produktion notwendig gewesen ist. Namentlich zu danken ist hier den Herren Dr. Werner Barlmeyer, Manfred Wiemer und Dr. Helmut Lindner.
Nachdem aber der Versuch gescheitert war, weitere Großspender zu gewinnen, schien das Vorhaben auf halbem Wege steckenzubleiben. Auch in dieser Hinsicht war es Gerhard Jehmlich, der mit Beharrlichkeit sich weigerte, Halbheiten zuzustimmen oder gar aufzugeben. Er hat es geschafft, Spenden von Firmen und Privatleuten in unterschiedlicher Höhe und zusammen in beträchtlichem Umfang zu sammeln, die die Schatzmeisterin unseres Vereins, Katja Schumann, auf dem Vereinskonto akkurat verwaltet. Auch diese unverzichtbaren Mitarbeiter sind im Dank des Buches namentlich erwähnt – es sind ebenfalls an die 50, so daß ich die Namen hier nicht einzelnen nennen kann.
Nachdem nun der Inhalt und das Geld beisammen waren, konnten die immer wieder aufgefrischten Verabredungen mit dem Sandstein Verlag endlich in die Realisierungsphase treten. Herr Stellmacher hatte sich frühzeitig interessiert, nun konnten die Verabredungen Wirklichkeit werden. Auch diese intensive Phase haben wir gut gemeinsam durchgestanden – nicht zuletzt Dank des Engagements von Bettina Neustadt als Gestalterin, die mit Herrn Jehmlich zusammen die Lösungen gefunden hat, die sowohl die Information sichern wie auch ein schönes Buch ausmachen.
Es ist mir wirklich ein großes Vergnügen – und auch eine mindestens ebenso große Erleichterung – daß das große Projekt Dank der intensiven Zusammenarbeit so Vieler fertiggeworden ist. Jetzt ist es an Ihnen allen – und hoffentlich noch weitaus mehr interessierten Lesern – davon Gebrauch zu machen.
© Wolfgang Hesse

Rede des Autors anläßlich der Buchpräsentation

Dr. Gerhard Jehmlich, Stadtmuseum Dresden, 30. Oktober 2009

Sehr geehrter Herr Dr. Porstmann, meine Damen und Herren, Werte Gäste, liebe Kollegen,

Die Arbeiten zum Pentacon-Buch begannen im Jahr 2000 nach dem Kolloquium zur Zeiss Ikon AG in den Technischen Sammlungen Dresden (TSD). Bis zu diesem Zeitpunkt reicht der Gedanke zurück, die  weiterführende und wechselvolle Geschichte der Kamera- und Kinoindustrie nach 1945, die wesentlich vom VEB Pentacon Dresden mitgeprägt wurde, nach technischen und wirtschaftlichen Aspekten zu vertiefen. Einschließlich der über 5 Jahre laufenden Recherche in den Archiven war das Manuskript nach etwa 8 Jahren abgeschlossen. Dieser Aufwand war erforderlich, da nach der Abwicklung des Betriebes die betriebswirtschaftlichen und technischen Unterlagen in unterschiedlichen Archiven in Dresden und anderen Städten aufbewahrt wurden oder ganz verschwunden waren. Ab März 2005 begleitete ein Beirat, der auf Initiative von Herrn Wolfgang Hesse - Fotohistoriker und Lektor des heute vorgestellten Buches - gebildet wurde, das Unternehmen „Pentacon-Buch" und unterstützte es bis  heute vielfältig. Neben Herrn Hesse wirkten im Beirat die Herren Dr. Helmut Lindner (Direktor der Technischen Sammlungen der Stadt Dresden), Hans-Peter Lühr (Geschäftsführer des Dresdner Geschichtsvereins), Dr. Klaus Mauersberger (Leiter der Kustodie der TU Dresden), Dr. Andreas Krase (Kustos für Fotografie und Kinematografie der TSD) und Dr. Holger Starke (Historiker im Stadtmuseum Dresden). Hervorzuheben ist, dass von diesem Zeitpunkt ab die Entstehung des Buches von Herrn Manfred Wiemer, Leiter des Amtes für Kultur und Denkmalschutz und Herrn Dr. Werner Barlmeyer, zu der Zeit Direktor der Museen der Stadt Dresden, stets unterstützt und gefördert worden ist.

Im Mittelpunkt des Buches steht der VEB Pentacon Dresden mit seinen Vorläufern, seine Entstehung und das Wirken der dort Beschäftigten. Dabei sind die einzelnen technischen und technologischen Entwicklungen immer im Zusammenhang mit der ökonomischen Entwicklung des Betriebes dargestellt - und dies wiederum im Umfeld des wirtschafts-politischen Geschehens der DDR mit seinen Widersprüchen und Zwängen. Die nach dem Archivmaterial dargestellten Vorgänge sind mit Aussagen kompetenter Zeitzeugen ergänzt - soweit dies möglich war, wodurch sie in vielen Fällen lebendiger vorstellbar und verständlicher geworden sind. Dies gelang insbesondere durch fachliche Beiträge ehemaliger Kollegen, die an exponierten Stellen des Betriebes gearbeitet haben und durch Abstimmungen innerhalb eines Arbeitskreises von Pentacon-Mitarbeitern. Von dieser Stelle aus danke ich allen ehemaligen Kollegen, die auf diese Weise halfen, den Stoff zu vertiefen. Unlängst las ich wieder die zugespitzte Formulierung des alten Scheinkrieges: „Der Todfeind des Historikers ist der Zeitzeuge". Ich glaube nicht, dass im Pentacon-Buch verbrämte, individuelle Erinnerungen die Gesamtaussage des Buches verwässern. Im Gegenteil: Diese Sichtweisen lassen Zusammenhänge deutlich werden, die eben durch bloßes Archivstudium nicht gewonnen werden können.

Gleichwohl ist das Buch auch aus einer persönlichen Perspektive geschrieben, mit der Darstellung der individuellen Lebensleistungen zweier Generationen innerhalb der sozialistischen Planwirtschaft, mit - aus heutiger Sicht - teilweise schwer zu verstehenden wirtschafts-politischen Vorgängen, dennoch erreichten vorzeigbaren technischen Ergebnissen aber auch menschlichen Schicksalen, die in wenigen Jahren nicht mehr rekonstruierbar sein werden und in Vergessenheit geraten. Dabei bin ich zu Beginn oft der Frage begegnet: Wen interessiert das denn noch? Wie sind überhaupt positive technische und teilweise ökonomische Ergebnisse eines Staatsbetriebes der DDR darzustellen, ohne sich dem Verdacht der Verklärung auszusetzen? Im Buch wird deutlich, dass hier wie in anderen Betrieben der DDR aus eigener Vorstellung und durch eigenes Wissen und Können teilweise den Widrigkeiten der planwirtschaftlichen Existenz getrotzt wurde. Dennoch etwas zu schaffen und zum Besseren zu verändern, vielleicht auch nur im eigenen Fach- oder Tätigkeitsbereich: das war einer der Antriebe. Und noch ein Zusammenhang verdient eine kurze Würdigung: Wie verträgt es sich denn, dass ausgerechnet in der Zeit, in der die lachenden Gesichter der Botschaftsflüchtlinge immer wieder zu sehen sind, der Mauerfall und die 20-jährige Wiederkehr des Endes der DDR mit der noch immer nicht abgeschlossenen Wiedervereinigung diskutiert wird, ein Buch über einen volkseigenen Betrieb vorgelegt wird? Es verträgt sich gut, wie nachzulesen ist. Denn es wird gezeigt, dass trotz individueller Leistungen vieler Beteiligter im Umfeld der sozialistischen Planwirtschaft auf Dauer weder internationales Renommee noch verbesserte Lebensbedingungen erreichbar waren. Ein schleichender innerer wirtschaftlicher Zerfall machte es zunehmend schwierig, technische Leistungen zu vollbringen, die über denen der internationalen Konkurrenz lagen. So wird sichtbar, wie und warum die Dresdner Kamera- und Kinoindustrie nach schwierigen Beginn der  Nachkriegszeit bis Mitte der 1970er Jahre international mitbestimmend war und danach zurück blieb. Nahezu selbst zum Sanierungsfall geworden, konnte auch dieser Betrieb am Ende nicht mehr zu besseren Lebensbedingungen beitragen. Und hier schließt sich der Kreis.

Dem Hauptteil des Buches ist die historische Entwicklung der Fotoindustrie Dresdens vorangesetzt - auch die der mittelständischen Industrie - mit ihren technischen und wirtschaftlichen Leistungen, ihren Fusionen und Zerstörungen. Den Kern bildet der mühselige Aufbau des Betriebes nach 1945, seine Existenz als Kamera-Exportbetrieb innerhalb der gesellschafts-politischen Fronten des Weltmarktes und des Kalten Krieges, immer gemessen an der japanischen Kameraindustrie, der - nach einem Wettlauf - nichts Äquivalentes mehr entgegen gesetzt werden konnte. Dargestellt sind aber auch die Entwicklungen der Großgeräte, wie Kinotechnik, Labortechnik und Mikrofilmtechnik, die kurzzeitige aufwändige militärische Produktion sowie die Widersprüche der Planwirtschaft - aber auch die eigenen Fehler. Schließlich ist auch nachweisbar - so kurios es klingen mag -, mit welch erstaunlich hoher Effizienz der Staat DDR im Fall Pentacon gearbeitet hat und dies aufgrund der Exporttätigkeit des Betriebes. Sichtbar wird dies dadurch, dass den durch Westexport erzielten Deviseneinnahmen - die dem Staat zuflossen - die tatsächlichen Investitionen - die der Staat in Binnenwährung zahlte - gegenüber gestellt sind. (Denn außer Investitionen hatte der Betrieb alles selbst zu erwirtschaften, was für seine Existenz erforderlich war, auch der Sozialfond).

Auch die dramatische Zeit vor und nach der Wende, die Versuche der joint ventures oder der erfolglose Versuch, Teile des Betriebes zu verkaufen, bis zur Abwicklung 1990 sind zusammenhängend  beschrieben. Den Ausblick bilden Neu- und Ausgründungen, die aus dem Betrieb hervorgegangen sind, weitgehend mit dem gleichen Personal weiterbetrieben wurden und die überwiegend in der Markwirtschaft bestanden haben. Schließlich ist mit hohem Aufwand der Versuch gemacht, Produktions-Übersichten der Hauptfertigungslinien des VEB Pentacon vorzulegen, gleichzeitig unter Korrektur kursierender falscher Stückzahlen. Mit diesen Prämissen steht das Pentacon-Buch gewissermaßen stellvertretend für das Geschehen in vielen Industriezweigen der DDR. Sie alle haben die Konsequenz des Scheiterns nicht aufhalten können. Dennoch scheint wohl mehr als der Grüne Pfeil, als Pittiplatsch oder Bautzener Senf aus diesen 40 Jahren  erinnerungswürdig zu sein. Es ist damit ist ein Buch entstanden, das nicht so sehr speziell für Sammler oder speziell für Historiker Auskunft gibt, sondern darüber hinaus allen Interessierten teilweise bisher nicht bekannte Abläufe, Zusammenhänge und Betriebsinterna eines Großbetriebes in der Ära der Planwirtschaft erschließt und so die bestehende Literatur der Dresdner Kamera- und Kinotechnik ergänzen wird. Es sollte auch für Außenstehende beitragen, am Beispiel der Dresdner Kamera-Industrie erst zu verstehen, bevor man bewertet, was auf wirtschafts-politischem und technischem Gebiet in jenen Jahren vor sich gegangen ist.

Abschließend habe ich allen zu danken, die mit Beiträgen sowie Hinweisen zum Gelingen des Buches beigetragen haben. Eingeschlossen hierin ist der Dank an alle Sponsoren, vor allem an das Amt für Kultur und Denkmalschutz, insbesondere aber auch an die zahlreichen privaten Spender, ohne die das Lektorat und der Druck des vorzüglich gestalteten Buches nicht zu Stande gekommen wäre. Der Spendeneingang war beeindruckend. Vornehmlich gilt mein Dank dem Lektor, Herrn Wolfgang Hesse, dem Leiter des Sandstein-Verlags, Herrn Lutz Stellmacher und der Buchgestalterin Frau Bettina Neustadt, dem Vorstand der Neuen Photographischen Gesellschaft in Sachsen als Herausgeberin, den genannten Mitgliedern des Beirates, dem Verfasser der - die großen Linien der Wirtschaftsentwicklung skizzierenden - Einführung, Herrn Dr. Rainer Karlsch, sowie - von dieser Stelle aus öffentlich - noch einmal allen Kollegen. Nicht zuletzt danke ich meiner Frau, ohne deren Hilfe und Geduld das Buch nicht hätte entstehen können.

Herrn Siegfried Böhm, dem Konstrukteur der ersten Praktica und vieler weiterer Kameramodelle und Initiator zahlreicher technischer und technologischer Prozesse im VEB Pentcon Dresden ist dieses Buch gewidmet.

Bleibt uns allen nun die Hoffnung, dass der Band eine freundliche Aufnahme in der Öffentlichkeit findet.        
© Dr. Gerhard Jehmlich

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