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Dresden sonst und jetzt

Nahezu zwanzig Jahre nach dem ersten Nachdruck des Würzburger Weidlich-Verlags (1988) legt nun die edition Sächsische Zeitung den Reprint eines bemerkenswerten Bandes vor: Die Bildersammlung „Dresden sonst und jetzt“ war 1905 von Otto Richter, dem damaligen „Ratsarchivar, Stadtbibliothekar, Museumsdirektor und Vorsitzendem des Vereines für Geschichte Dresdens“ (so der Untertitel des ausführlichen biografischen Aufsatzes von Friedrich Reichert im Dresdner Geschichtsbuch Nr. 7) herausgebracht worden. Zuvor schon hatte der ungeheuer produktive Historiker Bilder als Quellen gesammelt und teilweise in Reproduktionen zugänglich gemacht – so etwa 1895 24 Dresden-Ansichten nach Radierungen von Bellotto, 1898 einen Atlas zur Geschichte Dresdens mit Plänen und Ansichten oder 1902 eine Mappe mit 40 Lichtdruckblättern nach Handzeichnungen und Radierungen verschiedener lokaler Künstler. Zugleich hatte er begonnen, in Hinblick auf die Dokumentationen des Stadtmuseums eine bei seinem Ausscheiden aus städtischen Diensten 1912 etwa 2.000 fotografische Porträts umfassende Sammlung aufzubauen, um den Dargestellten „in der Stadt ein dauerndes Andenken zu sichern.“ Von solcher Historisierung und ihrem Ort in gegenwärtigem kulturpolitischen Handeln bestimmt ist auch das Interesse, welches der vorliegenden Publikation zugrunde liegt und das im aktiven Kulturvergleich Verluste und Gewinne an Einzelbauwerken wie im Stadtbild insgesamt bilanzieren will (für Richter überwogen die Verluste durch das Protzig-Moderne über das Zierlich-Alte) : „Unsere Bilder mögen die Anschauungen über die angeregte Frage klären helfen, indem sie das Aussehen der Stadt vor 60 bis 80 Jahren und daneben im heutigen Zustande vor Augen führen und die unmittelbare Vergleichung von Sonst und Jetzt ermöglichen.“

Wohl diskutiert Richter in seinem Vorwort die interessengeleitete Darstellungsweise der Umrissradierungen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die Fotografien aus dem städtischen Tiefbauamt und vor allem dem Verlag Römmler & Jonas, der auch den Lichtdruck der Bildtafeln besorgt hatte, sieht er hingegen offenbar als objektive Zeugnisse. Doch ging es ihm auch nicht um Bilder. Konkret war Richters Gegenüberstellung als Schreckenskatalog über den Einbruch der Moderne in die idyllisierte Residenzstadt gedacht, ein Pamphlet gegen architektonische Megalomanie und schlechten Geschmack bei Oper, Kunstakademie oder Ministerien. Nostalgie als Gefühl des früher Besseren ist eben auch historischen Veränderungen unterworfen – und so ist es bedauerlich, dass nicht bei Gelegenheit dieser verdienstvollen Neuedition die Chance einer quellenkritischen Bearbeitung ergriffen wurde: der knappe Klappentext auf der Rückseite des Pergaminschutzumschlags will (und kann) historischem Verständnis nicht gerecht werden, sondern wirbt mit bekannten Stereotypen. Er schließt mit einem Zitat Richters aus dem Vorwort: „Möge das Werkchen die Einsicht verbreiten helfen, daß es eine dankbare Aufgabe unseres Geschlechts ist, die Schöpfungen der Vorfahren zu hüten …“ (fortzusetzen wäre: „… und gegenüber dem Ansturme neuzeitlicher Bedürfnisse den geschichtlichen Charakter unserer Stadt nach Möglichkeit zu wahren.“).
© Wolfgang Hesse

Otto Richter (Hg.): Dresden sonst und jetzt. 50 Doppelbilder in Lichtdruck nach alten Radierungen und neuen Aufnahmen, Dresden 1905 (Reprint Edition Sächsische Zeitung, 2007), ISBN 978-3-938325-40-7, EUR 19,90.

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Autor

Wolfgang Hesse
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