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Photographie in Blasewitz – James Aurig

Jürgen Frohse

Um 1878 findet der Photographengehilfe James Buchanan Aurig, geboren 1857 in Guben und aufgewachsen im Erzgebirge, beim Photographen Johannes Schumacher eine Anstellung und hier in Blasewitz erstmals sein Glück. Gegenüber dem Atelier seines Brötchengebers auf der Tolkewitzer Straße wohnt die Familie des Kürschnermeisters Moritz Müller. Als er die Tochter des Hauses sieht, ist ihm bewusst, „diese muss meine Frau werden“. Er kann die Bekanntschaft der Angebeteten vermittelt bekommen und wird den Eltern vorgestellt. Am 18. August 1878 heiratet James Aurig Berta Alma geb. Müller und zwei Monate später kommt ihr erster Sohn James Ronald zur Welt. Sie wohnen im Haus der Schwiegereltern, bevor sie Zimmer im „Pensionat Dyckerhoff“ auf der Emser Allee 18 (abgerissen, heute Grundstück Goetheallee 10) beziehen können, das zum Grundstück des Weißen Schlosses (am Königsheimplatz, 1945 zerstört) gehört. Das junge Paar ist verliebt und in kurzen Abständen folgen vier weitere Kinder: James Hugo (1881), Elsa Alma Maria (1882), Erhard (1884) und Erna Bianca (1885).

Das Blasewitzer Geschäft von Johannes Schumacher wird verkauft und James Aurig muss sich um neue Anstellungen bemühen. Er arbeitet bei Gustav Karsch (Radeberg), Hubert Dung, August Adler (beide Dresden) und Christian Kolberg (Bad Oynhausen). Mit Bildretuschen des Nachts verdient er sich zusätzlich etwas Geld, um die immer größer werdende Familie ernähren zu können. „Finanziell gesund machen“ kann er sich erst, als er „Operateur für nasse Platten“ in der Lichtdruckanstalt Römmler & Jonas wird. Für Emil Römmler wird James Aurig unersetzlich. Auch als Aurig 1887 ein eigenes Atelier mit Wohnung auf der Pillnitzer Straße 46 in Johannstadt beziehen kann, bittet ihn Römmler, weiter als Photograph für die Lichtdruckanstalt zu arbeiten. Er photographiert für ihn in Dresden und Berlin und reist durch Holland, Belgien und die Schweiz.

Und ein zweites Mal entscheidet sich sein Schicksal in Blasewitz zum Guten. Von der letzten Reise in die Schweiz zurückgekehrt, lässt er sich auf dem gemieteten Gartengrundstück Residenzstraße 8 (heute Loschwitzer Straße) ein Holzatelier mit gefütterten Wänden bauen. Wenig später eröffnet er zusätzlich im Haus Residenzstraße 4 eine Handlung photographischer Apparate und Artikel. „Es war eine glückliche Idee, hier anzufangen. Das Geschäft entwickelte sich von Jahr zu Jahr besser und ich konnte Geld sparen“, schreibt er in seiner Autobiographie. So hat er einige Rücklagen, als sein Nachbar das Grundstück Hainstraße 14, heute Justinenstraße 2, verkaufen will. Von Architekt Karl Emil Scherz lässt sich Aurig 1894/95 darauf eine der typischen Blasewitzer Villen errichten. Wenige Jahre später kann die Familie in Gohrisch in der Sächsischen Schweiz noch ein Grundstück erwerben, worauf sie ein kleines Häuschen bauen und viele schöne Stunden verleben wird.

James Aurig, der früh seine Eltern verloren hatte, in einer Pflegefamilie aufwuchs und sich in seinen ersten Blasewitzer Jahren die Pferdebahn nicht leisten konnte, bringt es zu Ansehen und Wohlstand. In sein Atelier kommen Persönlichkeiten aller Couleur, aber auch die Kinder aus der Nachbarschaft. Er photographiert Häuser vor dem Abriss (wie die „Knochenschänke“ des „Schillergartens“, den Bau des Blauen Wunders und die neu errichteten Villen. Er ist dabei, wenn Richtfest gefeiert und ein Schiff in der Werft vom Stapel gelassen wird. Er hält Ereignisse der Blasewitzer Feuerwehr, den Alltag einer Waldschule und die Musterung von Soldaten fest. Doch vorrangig ist er Porträtphotograph. Nach der Jahrhundertwende und einem Bankenzusammenbruch, der auch seine Umätze schrumpfen lässt, widmet er sich „künstlerischen Heimporträts“. Er zieht mit seiner Photoausrüstung zu Professoren, Bürgermeistern, Stadträten, Geistlichen, Bankdirektoren und ab 1908 auch zum sächsischen Königshaus. Er fasst die Aufnahmen in drei Bänden „Dresdner Männer und Frauen am Anfang des 20. Jahrhunderts“ zusammen: „Es ist in Dresden nichts Besseres von anderer Seite geleistet worden“, wird er schreiben. Und in der Tat – bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges ist James Aurig die erste Adresse für hochwertige Porträts. 1911 verleiht ihm der letzte sächsische König das Ehrenprädikat „Hofphotograph Seiner Majestät“. James Aurig hatte den Höhepunkt seines Lebens erreicht.

Im Alter wird er sich der Homöopathie zuwenden. 1935, mit 78 Jahren, schreibt er seine Autobiographie und im gleichen Jahr, am 19. Dezember, stirbt er. Er findet seine letzte Ruhestätte im Familiengrab auf dem Tolkewitzer Urnenfriedhof.
© Jürgen Frohse

Bei diesem Text handelt es sich um eine Kurzfassung der ausführlichen Biografie James Aurigs von Jürgen Frohse und Dieter Fischer in dem Monatskalender 2008 „Photograph in Loschwitz - James Aurig (1857-1935)" der Elbhang-Photo-Galerie Dresden.

Autor

Jürgen Frohse
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