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"Photographie" auf dem 76. Deutschen Archivtag

Photographien als einzigartige und anderen archivalischen Gattungen ebenbürtige Quellen sind ein Bestandteil des gesellschaftlichen Bildgedächtnisses. Daher sind sie in besonderer Weise quellenkritisch zu betrachten. Dies gilt insbesondere dann, wenn man Photographien in der historischen Bildungsarbeit einsetzen möchte. Auch Historiker und Archivare setzen sich – mit einigem Zeitverzug gegenüber anderen Disziplinen – zunehmend mit dieser Problematik auseinander. Deshalb ist es begrüßenswert, dass sich der Arbeitskreis „Archivpädagogik und historische Bildungsarbeit“ erstmals dem Thema „Abbild und Wirklichkeit. Photographien in der historischen Bildungsarbeit der Archive“ zuwandte.

Reden zum 76. Deutschen Archivtag

30. September bis 3. Oktober 2003, Chemnitz

Dr. Sigrid Schneider, Leiterin der Photosammlung des Ruhrlandmuseums Essen

zum Spannungsverhältnis zwischen Abbild und Wirklichkeit bei Photographien:

„Photographien zeigen die Welt nicht, wie sie ist, sondern wie sie gesehen werden soll.“ Entsprechend wichtig ist die ausgewogene, objektive Erschließung der Photographien durch die Archive. Kriterien hierfür soll nicht nur die Dokumentation der bekannten Bildinformationen sein, sondern auch die der Rahmenbedingungen, in welchen das Foto entstand. Von Interesse kann so beispielsweise der Auftraggeber sein, der Entstehungszusammenhang, Hinweise auf Serien oder ähnliche Motive des gleichen oder anderer Photographen, Dinge, die nicht gezeigt werden ebenso wie der gezielte Einsatz von formalen oder künstlerischen Gestaltungsmitteln. Photographien sind nicht nur bildimmanent, sondern auch durch die Kontexte ihrer Entstehung und Bewahrung Teil der (konstruierten) Wirklichkeit. Auch Archive leisten ihren Beitrag zu dieser gesellschaftlichen Konstruktion von Bedeutungen: Sie entscheiden, welche Photographien den Weg in die Archive finden, sie bewerten, erschließen, publizieren und kanalisieren Informationen. Der Nutzer sieht letztendlich das, was der Archivar zulässt. Geschichtsbilder können durch ihn gefestigt oder vereinfacht werden, indem er das Augenmerk auf bestimmte, herausragende Motive lenkt. Deshalb muss immer berücksichtigt werden, dass Photographien nur punktuelle Quellen und mehrdeutig sind, sowie fragmentarischen Charakter haben. Deutlich wird hier, welche Verantwortung der Archivar in Bezug auf Geschichtsbilder trägt. Um so wichtiger ist es, dass bereits in der Ausbildung Kenntnisse und Methoden zum quellenkritischen Umgang vermittelt werden. Leider findet dieser Bereich photohistorischer Reflexion bisher zu wenig Beachtung in den einschlägigen Studiengängen.

Ludger Claßen, Geschäftsführer des Klartext-Verlages in Essen

Seine Rede ist ein Plädoyer für ein besseres Verständnis der Archive für die Verlage als Nutzer photographischer Sammlungen:
Vielfach seien die Nutzungsordnungen nicht konform mit den geltenden Rechtsbestimmungen. So sei beispielsweise das grundrechtlich verankerte Recht auf freien Informationszugang oft nicht berücksichtigt. Die Archive müssen lernen, besser zwischen Nutzungsentgelt (für die Nutzung des Archivs) und einer rechtskonformen Honorierung von Veröffentlichungen zu unterscheiden. So muss z.B. immer erst geprüft werden, ob das Archiv überhaupt der Rechteinhaber gemäß UrhG ist und folglich überhaupt Veröffentlichungshonorare einfordern darf. In der archivischen Praxis würden Nutzungsentgeltforderungen oft mit Honorarforderungen für Veröffentlichungen verwechselt werden. Oft werden Honorare verlangt, obwohl das Archiv rechtlich nicht abgesichert sei. Abschließend plädierte Claßen deshalb dafür, dass Archive z.B. für gemeinfreie Werke keine Linzenzkosten verlangen dürften, sondern sich als öffentliche Archive mit Archivierungsauftrag und finanziert durch Steuergelder auf die Erhebung der Unkosten beschränken sollten. Dies entspräche einem Nutzungsentgelt. In der allgemeinen Diskussion wurde dieser Punkt jedoch eindeutig von den Archiven abgelehnt, da der Druck auf Mehreinnahmen durch die Archive durch die Träger in der heutigen Zeit stetig zunimmt.

Birgit Wanninger, Rheinische Post

In ihrer Rede über den Einsatz von Photos in der journalistischen Arbeit verwies sie auf die Bedeutung von Photographien für die Meinungsbildung und forderte die Archive auf, aktiver mit dem regionalen Medien zusammenzuarbeiten.

Dr. Wolfgang Antweiler, Stadtarchiv Hilden

Er demonstrierte an einem konkreten Beispiel die Möglichkeiten eines Stadtarchivs, sich durch neue Dienstleistungen und Eigeninitiative in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Photographien eignen sich beispielsweise gut, um kommunalpolitische Diskussionen zur Stadtentwicklung, zu Bebauungsplänen o.ä. mitzugestalten. Neben der öffentlichen Präsentation von Archivbeständen können so neue Nutzergruppen und Dienstleistungen erschlossen werden.

In der Abschlussdiskussion wurde insbesondere das Thema der Entgeltordnung für die Nutzung von Photographien durch Dritte thematisiert, in welcher Form sich der durch Erschließung entstandene archivische Mehrwert in der Entgeltordnung widerspiegeln sollte und wie man die Photobestände auch vor einer unberechtigten Nutzung schützen kann.

Auch während der einzelnen Fachgruppensitzungen spielte das Thema Photographie eine Rolle. Innerhalb der Fachgruppe 6 (Archivare an Archiven der Parlamente, der politischen Parteien, Stiftungen und Verbände) stellte Angela Ullmann vom Parlamentsarchiv des Deutschen Bundestages den hauseigenen Umgang mit originär digital entstandenen Bildern vor. Sie thematisierte die Frage, was im Zeitalter digitaler Photos als das Original angesehen werden müsse. Anhand einiger Beispiele beschrieb sie die Kriterien, die der Bundestag an das zukünftige Bildarchiv stellt. Wichtig sei, so viele Informationen wie möglich aus der digitalen Kamera zu übernehmen, sowie einheitliche Standards für die zu liefernden bildbeschreibenden Elemente festzulegen. Hier sind vor allem die Photographen gefragt. Sie müssen letztendlich absichern, dass die Bilder original und unverändert in das Bildarchiv übergeben werden.
© Ute Essegern

Autorin

Ute Essegern
Sächsische Zeitung
Dokumentation/Redaktionsarchiv

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