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Keine Chance gegen Weißeritz und Elbe

Ute Essegern

Am 12. August 2002 wurde Sachsen von den schlimmsten Regenfällen seit Jahrzehnten heimgesucht. Kleine Bäche verwandelten sich über Nacht in reißende Flüsse, überfluteten innerhalb kürzester Zeit ganze Straßenzüge und drangen in Häuser ein. In Dresden haben die Fluten der Weißeritz das zweitgrößte sächsische Fotoarchiv unter Wasser gesetzt — das Archiv der Sächsischen Zeitung und der Morgenpost Sachsen. 2000 laufende Meter Archivgut, darunter etwa 750000 Fotos mit teilweise unersetzlichen Aufnahmen zur Geschichte Sachsens und Dresdens nach 1946, wurden ein Opfer des Hochwassers. Zuvor hatten Mitarbeiter des Archivs noch bis in die Morgenstunden versucht, Archivalien in Sicherheit zu bringen. Vieles davon war vergeblich, da das Wasser später auch im Erdgeschoss kniehoch stand. Als das Wasser nach 48 Stunden langsam zurückging, konnte eine erste Notrettung vorgenommen werden. Eine LKW-Ladung mit ca. 7,5 Tonnen Archivgut wurde zum Schockfrosten in ein Kühlhaus nach Cottbus gebracht. In Dresden und der näheren Umgebung gab es in Folge des Unwetters keine freien Kühlkapazitäten mehr. Für die restlichen, im Keller lagernden 90 Prozent des Archivgutes war zu diesem Zeitpunkt keine Hilfe möglich, da auch die Elbe Hochwasser führte und Grundwasser in die Kellerräume nachdrückte.

Am 17. August erreichte die Elbe in Dresden mit 9,40 Metern ihren historischen Höchststand seit Beginn der Pegelmessungen im Jahr 1775. Das Gebäude stand erneut bis zum Erdgeschoss unter Wasser. Erst acht Tage nach dem ersten Wasserkontakt konnten die Schäden im Archiv begutachtet werden. Während für das Textarchiv jede Hilfe zu spät kam, erwiesen sich die Fotos in einem besseren Zustand. Obwohl bereits Oberflächenschäden sichtbar waren, entschied man sich für einen Rettungsversuch. Dieser war in den Tagen zuvor so gut vorbereitet worden, dass innerhalb weniger Stunden etwa 70 Prozent des Fotobestandes zum Schockfrosten nach Lommatzsch gebracht werden konnten. Der Zugang zum restlichen Teil war durch umgefallene Archivregale so versperrt, dass eine kurzfristige Freiräumung innerhalb von 24 Stunden nicht möglich war. Die Holzschränke waren durch den Druck des Wassers umgestürzt und hatten 400 laufende Meter Textarchiv und Tausende Zeitungsbände unter sich begraben. Der Keller bot ein Bild der Zerstörung. Während sich ein Trupp den Weg zu den Fotoschränken bahnte, bildete ein zweiter Trupp die Transportkette in das Erdgeschoss. Dort waren zahlreiche Helfer mit dem portionsweisen Eintüten und Kartonieren der nassen Fotos beschäftigt. Mit dieser zweiten Aktion konnten noch einmal zwei LKW-Ladungen ins Kühlhaus gebracht werden. In den kommenden Wochen wird über die Weiterbehandlung der beschädigten Fotos entschieden.
© Ute Essegern

Quelle: (C) Rundbrief Fotografie, NF 35, Vol. 9, Nr. 3 vom 15. September 2002

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Ute Essegern
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Foto vom 21. August 2002

Foto vom 21. August 2002
Fotograf: Hans-Christian Lindner/ Sächsische Zeitung

Foto vom 21. August 2002

Foto vom 21. August 2002
Fotograf: Hans-Christian Lindner/ Sächsische Zeitung

Foto vom 21. August 2002

Foto vom 21. August 2002
Fotograf: Hans-Christian Lindner/ Sächsische Zeitung