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Hermann Krone

Vortrag: Vier Jahrzehnte Landschaftsphotographie in der Sächsischen Schweiz

Rene Misterek, 6. Treffen der Photohistoriker und Photographica- Sammler in Königstein, 21. April 2001

Die Darstellung beruht auf der Auswertung von Beständen der Sammlung Photographie im Stadtmuseum Pirna.

Am 23. September 1853 startete Hermann Krone seine erste photographische Landschaftstour durch die Sächsisch- Böhmische Schweiz. „So oft ich seit dem Herbst 1849 in den darauf folgenden Jahren die sächsisch- böhmische Schweiz durchstreifte", schrieb er in seinen 1880/81 veröffentlichten Erinnerungen, „immer wieder von Neuem und immer reger lebte in mir der Gedanke auf, diese herrlichen Felsen- und Waldlandschaften photographisch abzubilden". Die Entwicklung der Kollodium- Photographie durch den Engländer Frederick Scott Archer, über die er sich „gegen gutes Honorar von bestunterrichteter Seite" informieren ließ, ermöglichte sein Vorhaben. Im Ergebnis dieser Tour entstand ein „Photographisches Album der Sächsischen Schweiz" mit 37 Salzpapierabzügen.

In ästhetischer Hinsicht stellte sich der Landschaftsphotograph Krone, der die Metapher vom „Malen mit Licht" gebrauchte, in die Bildtradition vorangegangener Landschaftsmaler. Am Beginn des reichhaltigen Bildschaffens stand neun Jahrzehnte vor Krone der Schweizer Landschaftsmaler Adrian Zingg, welcher die höfischen Darstellungsformen eines Thiele und Canaletto ablöste. Sein Schüler Carl August Richter gab mit seinem Sohn Ludwig 1820 „70 Mahlerische An- und Aussichten der Umgegend von Dresden" heraus. Immer mehr Künstler betrieben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Felstälern Naturstudien. In ihrem Schaffen dominierte die Graphik, welche in großen Stückzahlen vervielfältigt werden konnte und für die zahlreicher werdenden Ausflügler ein willkommenes Souvenir wurde. Die Künstler hatten über Jahrzehnte Erfahrungen gesammelt, welche Standorte, Felsformationen und Aussichten die Aufmerksamkeit des Publikums fanden. Krone übernahm diese Erfahrungen für seine Landschaftsphotographie. Bei der Zusammenstellung seiner „Malerischen Reisebilder" griff er auch Präsentationsformen der Graphiker auf, indem er um ein größeres Mittelbild kleinere Abbildungen gruppierte. Hermann Krone folgte im wesentlichen den Wegen dieser Künstler. Er suchte das Bekannte und für den Reisenden Sehenswerte, konzentrierte sich bei seiner Tour auf die „Hauptpunkte der Sächsischen Schweiz", die schon 1801 der Lohmener Pfarrer Carl Heinrich Nicolai in seinem ersten touristischen Wegweiser beschrieben hatte.

Davon abweichend nutzte er jedoch die seit 1851 verkehrende Eisenbahn, welche den traditionellen Gebirgszugang über Pillnitz, den Liebethaler Grund und Lohmen ablöste. Von Dresden reiste er am 23. September 1853 mit dem Zug nach Krippen und nahm Quartier in Schandau. Seine Tour führte über den Kuhstall und Großen Winterberg zum Prebischtor. In Herrnskretschen stieg er zur Rückfahrt nach Krippen wieder in den Zug. Am 28. September gelangte er mit der Eisenbahn nach Königstein, um von da das Gebiet Bielagrund-Schweizermühle zu erschließen. Am Abend des 2. Oktober fuhr er nach Dresden,um seine „erbeuteten Bilder" nach Hause zu schaffen, während ein Teil seiner Helfer bereits mit der photographischen Ausrüstung zur Bastei unterwegs war. Am folgenden Morgen traf Krone mit einem neuen Vorrat an Platten und Chemikalien auf dem Rathener Bahnhof ein. Die Eisenbahn war ein fester Bestandteil von Krones Zeitplanung. Die Anlagen der Bahn hat er auch im Bild thematisiert. Am 4. Oktober fertigte er vom Bahngelände eine Aufnahme der Festung Königstein, die er für gelungen hielt und in späteren Jahren wiederholte. Die Bahnschienen vermitteln den Einstieg in die Tiefe des Bildes.

Krones Motivrepertoire der ersten photographischen Landschaftstour bildete den Ausgangspunkt einer über vier Jahrzehnte währenden Erweiterung. Einmal gelungene Bildlösungen wurden beibehalten und im Laufe der Zeit wiederholt. Ein erhaltener Angebotskatalog im Stadtmuseum Pirna verzeichnet 521 Landschaftsaufnahmen aus der Sächsisch- Böhmischen Schweiz. Alle Photographien waren im Cabinetformat erhältlich, welches Krone seit Ende der 1850er Jahre für seine Landschaften bevorzugte. Nur 17 Prozent der Photographien konnten auch als Carte de Visite bezogen werden. Großformate fertigte er nur von wenigen ausgewählten Motiven (7 Prozent). Besonders intensiv arbeitete Krone von 1880 bis 1886 im Gebiet der Sächsischen Schweiz. Danach wandte er sich bis um 1890 vor allem Böhmen zu. In den Jahren 1892 und 1894 war er erneut im Basteigebiet tätig. Die Seltenheit von Aufnahmen aus den 1870er Jahren erklärt sich aus der Konzentration auf größere Projekte, u.a. der Arbeit am Königsalbum, der Ausbildung von Photographen für die Venus- Expedition, seiner Weltreise nach Australien und Indien.

Krones Hinwendung zum Elbsandsteingebirge in der ersten Hälfte der 1880er Jahre steht in Zusammenhang mit seinem Engagement im Gebirgsverein für die Sächsisch- Böhmische Schweiz, der sich Ende 1877 nach süddeutschem Vorbild konstituiert hatte. Hermann Krone übernahm 1880 den Vorsitz in der mitgliederstärksten Sektion Dresden. Die Verbindung wissenschaftlicher Bestrebungen mit einem wirtschaftlichen Engagement entsprach ganz seinen Intentionen. Er gehörte zu jenen Führungspersönlichkeiten des Vereins, bei denen beide Komponenten in Entscheidungssituationen prägend waren. Hermann Krone leitete die Naturwissenschaftliche Abteilung des Vereins im Stile einer wissenschaftlichen Institution. Ein Ziel bestand im Aufbau naturkundlicher Sammlungen als Grundstock eines zu begründenden Vereinsmuseums. Er hielt zahlreiche wissenschaftliche Vorträge in verschiedenen Sektionen, weshalb ihn Moritz Martin als „vortragenden Rat" bezeichnete. Zur Hebung des Fremdenverkehrs sorgte er für Wegemarkierungen, touristische Einrichtungen und unterstützte das umstrittene Projekt einer Bastei- Drahtseilbahn. In der Sektion Dresden galt er neben dem Spediteur Eduard Geucke als Wegbereiter der sogenannten Gebirgsvereinsindustrie, die Arbeitsplätze schaffen sollte durch die Fertigung von Souvenirs in Handwerksbetrieben oder Heimarbeit. In diesem Spannungsverhältnis zwischen wissenschaftlicher Forschung, Heimatschutzbestrebungen und wirtschaftlicher Profilierung hat Krone einen großen Beitrag zur Entfaltung der Vereinsdemokratie geleistet. Er führte beispielsweise regelmäßige Delegiertenversammlungen des Zentralvorstandes mit den Vertretern der Sektionen ein, die den Zusammenhalt des Gesamtvereins beförderten.

Die Tätigkeit im Gebirgsverein befruchtete Krones Wirken als Photograph. Er hielt in der Naturwissenschaftlichen Abteilung und in den Sektionen Vorträge zur Photographie, lieferte der Gebirgsvereinsindustrie transparente Bilder, übernahm Aufnahmen im Auftrag des Zentralvorstandes oder regte diese an. Dem künftigen Vereinsmuseum widmete er umfangreiche Bilderstiftungen. Wichtigstes Element war jedoch für Krones photographische Arbeit die Orientierungshilfe, die aus seiner Beschäftigung mit den Schwerpunkten des Tourismus und den Planungen zur Vervollkommnung der touristischen Infrastruktur resultierte.

Bald folgten Hermann Krone weitere Photographen in das Elbsandsteingebirge, in den 1860er Jahren Friedrich Brockmann aus Dresden und Carl Wilhelm Häcker aus Pirna. In den 1870er und 1880er Jahren sind u.a. Landschaftsaufnahmen von Brockmanns Nachfolger Rudolf Tamme und Otto Schmidt aus Dresden, von Robert Halm aus Zittau (später Hermsdorf unterm Kynast bei Warmbrunn) sowie von Ph.J.F. Stiehm aus Berlin bekannt. Es entstanden größere durchnumerierte Bildserien, die teilweise — wie bei Stiehm — in deutschlandweite Serien integriert waren. Trägerkartons in kräftigen Farben unterschieden die Angebote von denen der Konkurrenz, erregten die Aufmerksamkeit der Kunden. Im Gegensatz zu Krone bevorzugten manche Photographen die Visit- Serien. Nach bisherigen Erkenntnissen blieb jedoch in diesen Jahrzehnten Krones Angebot das umfangreichste.

Die Bildserien weisen viele Gemeinsamkeiten auf: Die Motive wurden in den vom Fremdenverkehr stark frequentierten Gebieten gesucht. Randzonen fanden nur ausnahmsweise Berücksichtigung, in Krones Schaffen vergleichsweise noch am stärksten. Andererseits wurden nicht zugehörige Gebiete unter der Bezeichnung „Sächsische Schweiz" vermarktet, von Krone beispielsweise Liegau- Augustusbad, von Halm Moritzburg und das Dresdner Vorland. An den Hauptpunkten des Tourismus kristallisierten sich Standardsichten heraus, die nahezu jeder Photograph wiederholte. Häufig war das Photographieren über eine als Rahmen dienende Vordergrundkulisse, und das Hineinführen in die Tiefe des Bildes beschäftigte viele Photographen. Personen wurden mit unterschiedlichem Geschick zur Verdeutlichung von Größenverhältnissen plaziert. Der massenhafte Vertrieb der Bilder führte zu Qualitätsverlusten, einerseits durch unsauber beschnittene und auf den Karton aufgebrachte Bilder, andererseits durch das schnelle Abarbeiten aller Gasthäuser und Fernsichten ohne optimale Bedingungen vorzufinden, eine Tendenz, von der auch Krones späte Landschaftsphotographie nicht unberührt blieb.

Mehr oder weniger wurden auch individuelle Sichten deutlich. Beispielsweise zeigte Robert Halm eine Vorliebe für bizarre, vom Sturm gezeichnete Bäume, die er in die Gestaltung des Vordergrundes integrierte. Otto Schmidt versuchte durch Ausnutzung von Licht- und Schattenverhältnissen die Räumlichkeit und Plastizität von Felsgruppierungen herauszuarbeiten, die er von erhöhten Standpunkten aufnahm. Legitim erschien der Blick zur Konkurrenz, und so ließen sich manche Photographen auch von Krone inspirieren. Otto Schmidt wiederholte Krones Aufnahme der Festung Königstein vom Bahnhofsgelände. Robert Halm suchte für die Aufnahme des Rathener Erbgerichtes einen Standort, der sein Bild nahezu identisch mit Krones Aufnahme erscheinen lässt.
© Rene Misterek

Autor

Rene Misterek
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Ansicht des Rathener Elbufers mit Erbgericht. Hermann Krone, 1870

Ansicht des Rathener Elbufers mit Erbgericht.
Hermann Krone, 1870

Ansicht des Rathener Elbufers mit Erbgericht. Robert Halm, 1876

Ansicht des Rathener Elbufers mit Erbgericht.
Robert Halm, 1876


Literatur

1. Aktenbestand des Gebirgsvereins für die Sächsische Schweiz. Stadtmuseum Pirna
2. Krase, Andreas: Das topografische Stereotyp. Städtebilder im beginnenden Industriezeitalter. In: Hesse,Wolfgang; Starl, Timm (Hrsg.). Photographie und Apparatur. Dresden, 1998. S.77-86.
3. Kuhlmann-Hodick, Petra: „...hic primus luce pinxit..." Zur frühen Landschaftsfotografie von Hermann Krone. Ebenda. S.87-105.
4. Schmidt, Irene (Hrsg.) : Hermann Krone. Erste photographische Landschaftstour Sächsische Schweiz. Dresden, 1997.