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Parlamentarier im Photo

Sächsische Landtagsabgeordnete in historischen Photographien

Holger Starke

Im Frühsommer 2001 erschien im Droste-Verlag Düsseldorf das von Elvira Döscher und Wolfgang Schröder bearbeitete biografische Handbuch "Sächsische Parlamentarier 1869-1918. Die Abgeordneten der II. Kammer des Königreichs Sachsen im Spiegel historischer Photographien". Das Buch ist der fünfte Band innerhalb einer, von der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien herausgegebenen Reihe mit zeitgenössischen Porträts von Abgeordneten deutscher Parlamente. Frühere Bände stellten Parlamentarier in Preußen (1859-1867), in Baden (1867-1874), im Norddeutschen Bund (1867-1870) und Abgeordnete der Deutschen Zentrumspartei (1871-1933) vor.

Das mit einem Vorwort von Gerhard A. Ritter versehene sächsische Handbuch ist in fünf Teile gegliedert. In dem bescheiden mit "Einleitung" überschriebenen ersten Kapitel gibt Wolfgang Schröder eine umfassende Darstellung des sächsischen Parlamentarismus jener Zeit, die keine Wünsche offen lässt. Sei es die verfassungsrechtliche Position des Landtages, die Landtagsverwaltung, die Landtagsgebäude, das Wahlrecht und die Wahlrechtsänderungen, die soziale Struktur, parteipolitische Zusammensetzung und lokale Basis der Abgeordneten und vieles mehr - den Leser erwartet eine wissenschaftlich fundierte, gleichwohl sprachlich gut lesbare Abhandlung.

Etwa die Hälfte des Bandes nehmen Porträtabbildungen und Biografien der Abgeordneten ein. Das Gros der 412 Porträts entstammt dem sogenannten Preibisch-Album, das heute im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden verwahrt wird. Im Mai 1904 stiftete der Reichenauer Textilindustrielle Oskar Preibisch anlässlich seines Ausscheidens aus dem Landtag dieses prächtige Album mit Porträts von Parlamentariern seiner Mandatszeit (1887-1904). Der etwa 30 kg schwere und 11 cm dicke, mit Silberbeschlägen und einem bronzenen sächsischen Wappen verzierte Lederband im Format 56 x 41 cm wurde nach Preibischs Ausscheiden aus dem Landtag weiter ergänzt. Daneben konnten zwei von insgesamt 25 Jubiläumsalben mit Porträtphotographien aufgefunden werden, die Mitglieder der II. Kammer anlässlich ihres 25-jährigen Abgeordnetenjubiläums als Ehrengeschenke von ihren Parlamentskollegen erhalten haben.

Die Lücken, die danach noch offen blieben, konnten die Bearbeiter in detektivischer Kleinarbeit in zahlreichen Archiven, Museen und Bibliotheken fast vollständig schließen. Nunmehr haben über 400 Abgeordnete der II. Kammer des sächsischen Landtags (oder mehr als 95 %) "ein Gesicht". Gruppenaufnahmen, Porträtabbildungen oder Prachtalben sind dabei nicht nur von allgemein historischem oder (kunst-)handwerklichem Interesse, sondern geben dem heutigen Betrachter auch einen Eindruck vom Gemeinschaftsgefühl und Selbstverständnis der sächsischen Landtagsabgeordneten - der politischen Elite des Königreichs Sachsen jener Zeit. Der 568 Seiten starke Band, der von Literaturauswahl, Photographen-, Abbildungsverzeichnis und drei Registern beschlossen wird, kann historisch Interessierten und Photokennern gleichermaßen wärmstens empfohlen werden. Allerdings dürfte für letztere die nicht ganz zufriedenstellende Druckqualität der Photographien ein Wermutstropfen sein. Sollte jedoch das in dieser Dichte erstmals publizierte Material für die sächsischen Photohistoriker nicht Anlass genug sein, sich zu einer vergleichenden Untersuchung der sächsischen Porträtphotographie im Kaiserreich zusammenzufinden?
© Holger Starke

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Holger Starke
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Die Fraktion der sächsischen Fortschrittspartei im Landtag 1877. Photomontage, Stadtmuseum Dresden

Die Fraktion der sächsischen Fortschrittspartei im Landtag 1877.
Photomontage, Stadtmuseum Dresden